Verdacht gegen Priester: Eigene Kirche bestohlen?

Schon vor Monaten wurde in einer Pfarrkirche das Fehlen von fast 200 Sakralgegenständen bemerkt. Nun haben die Behörden einen Verdächtigen ermittelt: den ehemaligen Pfarrer.

Frankreich | Bonn - 16.01.2018

Ein französischer Priester soll dutzende Sakralgegenstände aus seiner Kirche gestohlen haben. Wie am Sonntag bekannt wurde, ist bereits am 9. Januar ein Ermittlungsverfahren gegen Stéphane Cabanac eröffnet worden. Für die Dauer des Verfahrens sei dem Pfarrer die Ausübung seines seelsorglichen Dienstes untersagt, hieß es in einer Stellungnahme des zuständigen Erzbischofs von Aix, Christophe Dufour, vom Sonntag.

Der Diebstahl durch Cabanac in dessen damaliger Pfarrkirche Saint-Trophime in Arles soll sich bereits vor Monaten zugetragen haben. In einer Mitteilung machte Bürgermeister Hervé Schiavetti nähere Angaben zu den vermissten Gegenständen. Demnach fehlten insgesamt fast 200 Objekte, darunter 45 Gegenstände, die unter Denkmalschutz stehen. Dabei handele es sich größtenteils um alte und "sehr kostbare" liturgische Gewänder.

Französischer Staat ist Eigentümer der Gegenstände

Wie die katholische Zeitung "La Croix" berichtete, sei das Fehlen der öffentlich nicht zugänglichen Objekte bereits im März vergangenen Jahres bei einer Inventur durch städtische Beamte bemerkt worden. Nach dem französischen Laizitätsgesetz sind neben Sakralbauten auch deren Einrichtung Eigentum des Staates, sofern sie vor Inkrafttreten im Jahr 1905 erstmals inventarisiert wurden. Die Kirche tritt als Nutzerin und Verwalterin dieser Güter auf.

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Die Zahl der von den Behörden erfassten Kircheneinbrüche in Deutschland hat 2015 im Vergleich zum Jahr davor deutlich zugenommen: von 2.298 auf 2.589 Fälle. Ein Blick hinter die Statistik. (Artikel von Februar 2017)

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Im Juni habe die Kommune schließlich Anzeige gegen Unbekannt erstattet, hieß es im Bericht weiter. Die nachfolgenden Untersuchungen hätten ihren vorläufigen Abschluss nun im Ermittlungsverfahren gegen den vormaligen Pfarrer der Gemeinde gefunden. Cabanac leitete nach Angaben von "La Croix" neun Jahre lang die Stadtpfarrei von Arles, bevor er im vergangenen Juli zum Pfarrer in der Provinzhauptstadt Aix-en-Provence ernannt wurde.

Erzbischof bittet um Gebet für beschuldigten Priester

Über den Verbleib der gesuchten Objekte und ein mögliches Motiv Cabanacs wurde bislang nichts bekannt. In seiner Stellungnahme an die Gläubigen betonte Erzbischof Dufour den ideellen Wert der Sakralgegenstände. Diese seien Träger des "geistlichen Erbes einer christlichen Gemeinschaft, was in unseren Augen ihren größten Wert darstellt". Zugleich bat der Erzbischof um das Gebet sowohl für Cabanac selbst, als auch für alle Personen, die an der Aufklärung des Falles beteiligt sind. Zudem betonte er, dass der Pfarrer "selbstverständlich die Unschuldsvermutung genießt". (kim)

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