Bischof Fürst: "Ein zivilisatorisches Desaster"

Wie weit darf die Digitalisierung gehen? Bischof Gebhard Fürst warnt vor einer Datensammelwut. Deren Ergebnis sei nämlich "der gläserne Mensch". Um das zu verhindern, hat der Bischof eine Forderung.

Digitalisierung | Stuttgart - 16.01.2018

Der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst warnt vor einer Herrschaft der Algorithmen. Dann verlöre der Mensch seine Freiheit und Würde; das wäre "eine Katastrophe, ein zivilisatorisches Desaster", sagte Fürst "Stuttgarter Zeitung" und "Stuttgarter Nachrichten" (Mittwoch). Die Digitalisierung sei ein Prozess, der starke negative Auswirkungen haben könne, "wenn wir nicht kompetent, handlungsmutig und aufmerksam die Entwicklung in die richtigen Bahnen lenken". Dafür brauche es Regeln.

Fürst, der auch Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz ist, nannte es arrogant, wenn Wirtschaft oder Unternehmen Menschen Fortschrittsfeindlichkeit vorwürfen, wenn sie Frage stellten und Bedenken vorbrächten. Der "Medienbischof" bezeichnete es als "höchst problematisch", wie Informationen von Suchmaschinen gesteuert, ausgewählt und in die verschiedenen Kanäle verteilt würden. Fürst sieht die Gesellschaft "auf dem Weg zum gläsernen Konsumenten, ja zum gläsernen Menschen". Selbst intimste Daten seien bald zentral speicher- und abrufbar. Die "Datensammelei" könne zur totalen Überwachung und Kontrolle des Menschen führen.

Skeptisch zeigte sich der Bischof gegenüber Pflegerobotern, wie sie beispielsweise in Japan zum Einsatz kommen. Pflege könne nicht auf die Begegnung von Person zu Person verzichten. Dies gelte auch für medizinische Therapie. Maschinen dürften keine Entscheidungen über Leben und Tod fällen. Auf die Frage, ob die Kirche Beratungen zum Umgang mit Digitalisierung anbieten wolle, antwortete Fürst: "Bisher gibt es so etwas nicht. Doch das ist eine gute Idee. Dies werden wir uns überlegen."

Fürst sieht die Digitalisierung allerdings nicht ausschließlich negativ. Noch im Oktober warnte er beim Katholischen Medienkongress in Bonn vor einem kirchlichen Kulturpessimismus und rief zu einer offensiven Auseinandersetzung mit den Folgen des digitalen Wandels auf. Kirche könne sich etwa bei der Entwicklung eines angemessenen Jugendmedienschutzes engagieren. Zudem gehöre auch die kirchliche Medienarbeit auf den Prüfstand, so der Bischof damals. (bod/KNA)

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